Waffenrecht für Dummies, Teil III: Das Munitions-Mysterium

Neben dem sicherlich gut gemeinten Hinweis von von in Fragen des Schießsports und Waffenrechts völlig unbeleckten Mitbürgern, Sportschützen mögen doch ihre Waffen bitte zentral lagern, wird auch regelmäßig das Unverständnis zum Ausdruck gebracht, weshalb den Sportschützen gar schröcklich viel Munition horten. So wie jüngst Christoph Heineman in der „Zeit“:

Nach Hanau blieben halbautomatische Pistolen erlaubt, nur Magazine mit mehr als 20 Schuss wurden verboten. Das hielt Philipp F. nicht davon ab, 690 Schuss an Munition zu kaufen und zu horten, denn beim Kauf von Magazinen mit 15 Patronen gab es weiterhin keine Beschränkungen und Auflagen.

https://www.zeit.de/hamburg/2023-03/waffenrecht-amoklauf-hamburg-reform?cid=64712728#cid-64715810
Screenshot: zeit.de / Hervorhebung durch den Verfasser

Wer Schießsport mit erlaubnispflichtigen Feuerwaffen betreibt, benötigt Munition. Munition ist ein entscheidender Kostenfaktor im Schießsport und der Munitionsverbrauch in Training und Wettkampf mitunter sehr hoch. Die Preise für eine Schachtel mit 50 Patronen Kurzwaffenmunition reichen von wenigen Euro im Bereich der Randfeuerpatrone .22 lfB bis weit über 40 Euro bei bestimmten Großkaliberpatronen. In den günstigeren Sorten, wohlgemerkt.

Beispiel für Staffelpreise im KK-Bereich / Screenshot: sportwaffen-triebel.de

Große Menge, kleiner Preis

Beim Munitionskauf hängt der Preis dann wesentlich davon ab, wie viel von einer Sorte man erwirbt. Je mehr, desto günstiger. Zwischen dem Einzelverkauf einer Schachtel und dem Erwerb von einem oder zwei Umkartons a 20 Schachteln, wie das bei Kurzwaffenpatronen durchaus üblich ist, liegen enorme Einsparpotenziale. Beim nächsten Beispiel bedeuten die 15% Mengenrabatt 4,05 Ersparnis je Schachtel. Macht bei 20 Schachteln fast 81 Euro. Diese reichen bei einem halbwegs aktiven Schützen, der wenigstens zweimal im Monat Spaß auf dem Schießstand hat, bestenfalls ein paar Monate. Der Gesetzgeber schreibt Sportschützen mit WBK übrigens ein „regelmäßiges Training“ mit erlaubnispflichtigen Schusswaffen vor. „Regelmäßig“ heißt, dass man entweder jeden Monat mindestens einmal oder übers Jahr verteilt 18 mal trainiert.

Beispiel für Staffelpreise im GK-Bereich / Screenshot: sportwaffen-triebel.de

Gelegenheit macht Großeinkauf

Munition ist einerseits sehr lange lagerfähig und andererseits kennen die Munitionspreise seit vielen Jahren nur die Richtung immer weiter nach oben. Deshalb macht es durchaus Sinn, sich bei Sonderangeboten oder im Rahmen von Sammelbestellungen gleich einen größeren Vorrat zuzulegen, sofern man das nötige Kleingeld übrig hat. Mehrere tausend Schuss Vorrat pro Kaliber und Lagermengen im fünfstelligen Bereich sind da nichts außergewöhnliches.

Anders als die flächendeckende Verfügbarkeit von Discountern, Mode-, Schuh- oder Drogeriemärkten, ist die Präsenz von Fachhandelsgeschäften für Waffen und Munition eher dünn gesät. Wenn der Händler des Vertrauens einen mehr oder weniger langen Anfahrtsweg bedeutet, weil der eben in vielen Fällen nicht wie der nächste Aldi oder Rossmann um die Ecke ist, muss sich der Aufwand lohnen. Dann packt man sich den Kofferraum voll und fährt nicht vier Wochen später wieder 50 oder 100 km, um eine paar Schachteln Patronen zu kaufen. Ähnliches gilt, wenn man Munition bestellt: Durch die ohnehin horrenden Versandpauschalen auf Grund der strengen Versandvorschriften wäre es ökonomisch vollkommener Blödsinn, 30 oder 40 Euro nur für den Versand zu bezahlen und dann nicht das maximal mögliche Versandgewicht voll auszunutzen.

Eine Alternative zum Großeinkauf bietet das Wiederladen, das aber zeitintensiv ist und mit hohen Anfangskosten für Lehrgang und Ausrüstung verbunden ist. Entsprechend amortisiert sich dieser Aufwand erst ab gewissen Stückzahlen bzw. wenn die Fabrikpatronen sehr teuer sind.

Die perfekte Universalpatrone gibt es nicht

Ambitionierte KK-Gewehrschützen fahren mit ihrer Waffe sogar direkt zum Munitionshersteller, um durch entsprechenden Tests die optimale Patrone für ihre Waffe zu finden. Ist das geglückt, werden von dem entsprechenden Fertigungslos Mengen im fünfstelligen Bereich erworben.

Ebenso läuft nicht eine Patrone in einer Waffe so gut wie in einer anderen im gleichen Kaliber und man verwendet für die jeweilige Waffe die Patrone, mit der man die beste Erfahrung gemacht hat. Auch wenn jede in jeder anderen Waffe im gleichen Kaliber grundsätzlich funktioniert. Nur eben unterschiedlich präzise.

Vier bei Wettkämpfen eingesetzte Neunmillimeter-Pistolen mit der jeweils besten Munition

Masse statt Volumen

Die Lagerung von unglaublichen „vielen tausend Schuss Munition“ ist, entgegen der Vorstellung vieler Laien und wenn man von den voluminösen Patronen für Flinten absieht, bezüglich des Volumens vollkommen unspektakulär. Eintausend Schuss des gängigen Kurzwaffenkalibers 9 mm Para passen locker in eine kleineren Schuhkarton.

Die für manche Zeitgenossen schier unglaubliche Menge von 5.000 Patronen im Kaliber 9 mm Para benötigt auch keinen extra Kellerraum zur Lagerung. Diese Menge nimmt weniger Volumen in Anspruch, als ein handelsüblicher Bierkasten mit einer Kantenlänge von 40 x 30 x 28 cm.

Neben vier Karton a 1.000 Schuss und vier Karton a 250 Schuss 9 mm Para war auch noch Platz für einen Karton mit 100 Slugs 12/67,5. Es ist ausschließlich der Bequemlichkeit des Autors geschuldet, dass der noch freie Raum nicht zusätzlich mit weiteren Päckchen a 50 Schuss ausgefüllt wurde. Da hätten locker noch 500 Schuss Platz gefunden.

Wenn an dieser Stelle vor dem geistigen Auge des Waffenbesitzkritikers der nächst Amokläufer erscheint, der gleich mit 5.000 oder mehr Patronen loszieht: Cool down.

Munition ist, im wahrsten Sinne des Wortes, schwer wie Blei. So eine Kiste mit tausend Patronen in 9 mm Para wiegt knapp 13 Kilogramm, zwei davon über einen halben Zentner. Solches Zusatzgewicht über einen längeren Zeitraum zu transportieren, damit dürften die meisten nicht entsprechend trainierten Menschen schlichtweg überfordert sein. Weniger auf Schusswaffen fixierte Täter werden ohnehin zu anderen Tatmittel greifen, wie die vermehrten Attacken mit Kraftfahrzeugen in den letzten Jahren gezeigt haben.

Zusammenfassung

Um Schießsport in den populären Feuerwaffendisziplinen zu betreiben, wird Munition benötigt. Je intensiver der Sport ausgeübt wird, desto mehr Munition wird verbraucht. Schießt man verschiedene Großkaliber-Disziplinen mit verschiedenen Waffen in unterschiedlichen Kalibern, dann addieren sich die einzelnen Sorten schnell auf Mengen weit jenseits von 10.000 Patronen. Deren Volumen ist aber vergleichsweise gering. Die Vorratshaltung ist in viele Fällen erforderlich, weil es Nachschub nicht an jeder Ecke gibt und der Preis pro Patrone durch größere Abnahmemengen deutlich reduziert wird.