Wirres aus Winnenden

Wie es scheint, musste man sich seitens des „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“ in letzter Zeit einige unangenehme Fragen bezüglich der möglichen Einflussnahme eines großzügigen Spenders aus dem Dunstkreis der Rüstungsindustrie gefallen lassen.

Die nun auf der AAW-Startseite publizierte, ellenlange Stellungnahme lässt jedenfalls darauf schließen.

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Interessant aus Sicht der Sportschützen sind zwei Passagen.

Erstens:

“Die Spende war an die Bedingung geknüpft, dass das Aktionsbündnis von seinen Forderungen nach einem vollständigen Waffenverbot oder nach einem teilweisen Verbot großkalibriger Waffen abrückt.“ Wer die Arbeit des AAW aufmerksam verfolgt, dem sollte eigentlich klar sein, dass diese versuchte Einflussnahme der Firma Armatix auf das AAW jämmerlich gescheitert ist, da das AAW diese Forderungen immer noch – auch dreieinhalb Jahre nach der Tat – permanent erhebt.

Klartext: AAW für vollständiges Waffenverbot oder wenigstens Großkaliberverbot.

Zweitens:

Wir sind davon überzeugt, dass ein Großteil der Widerstände gegen uns daher rührt, dass viele Schützen bis heute gar nicht realisiert haben, dass wir ihnen nicht ihren Sport wegnehmen wollen, sondern sicherer machen möchten.

Yo, in dem man dem Sportler sein Sportgerät wegnimmt, macht man natürlich jeden Sport sicherer.

Ski fahren ohne Skier, Reiten ohne Pferd, Speerwurf ohne Speer und eben Schießsport ohne Schusswaffen. Und ein Fußgänger ist vielleicht gar kein Fußgänger, sondern nur ein Rollschuhfahrer, der seinen Rollschuhsport sicher im Sinne des AAW betreibt.

Seltsam, das da vorher noch keiner auf diese tolle Idee gekommen ist, um Sport „sicherer“ zu machen.

Am Ende des Textes fabuliert man dann noch von nicht näher benannten Personen aus nicht näher benannten Schützenverbänden, die nicht näher benannte Unwahrheiten unters Volk bringen.

Wir wissen aber auch, dass mancher Vorstand oder Waffenlobbyist aus den großen Schützenverbänden gerne die Unwahrheit unters Volk bringt. Nichts eint mehr als ein gemeinsamer Feind.

Und offenbar eignen wir vom Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden uns sehr gut als Feindbild.

Ach Leute, ihr macht es denen, die unter eurem blinden Aktionismus leiden müssen, aber auch nicht gerade einfach, euch zu mögen.

So lange euer Problem nur der statistisch kaum darstellbare Missbrauch legaler Waffen bei gleichzeitiger Ignoranz gegenüber allen anderen Tötungsdelikten ist, so lange euch zur Vorbeugung vor vorsätzlichen Verbrechen durch Rechtsbrecher nichts weiter einfällt, als die Rechtstreuen zu bestrafen, so lange werden wir keine Freunde werden.

Fangt einfach mal an, die Realität zu akzeptieren, dann gibt sich alles andere von selbst.

Update 16.10.2012:

Der zitierte Artikel ist von der Startseite verschwunden und steht nun hier. Außerdem scheint man sich von sich selbst zu distanzieren und sah sich zu der Ergänzung

Hinweis: Obenstehender Text bezieht sich auf die persönliche Angriffe auf Herrn Hardy Schober.
Es handelt sich nicht um eine Veröffentlichung der Stiftung.

genötigt. Sieht so aus, als wäre die Kacke buchstäblich am Dampfen in Winnenden…

Große Kaliber und Großkaliber

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Weiter geht es mit der zweiten Folge aus der Reihe „Dem Hardy sein Buch„.

Heute:

Ein zu hoher Preis

Ab Seite 225 beschreibt Herr Schober seinen Auftritt vor der UNO in New York.

Zunächst macht man sich am Anfang des Kapitels noch über das Englisch von Günther Oettinger lustig, um dann mit den eigenen Fremdsprachenkenntnissen zu brillieren und freundlicherweise bei der Übersetzung nicht mit Extrawörtern zu geizen:

„I didn’t know you have large-caliber in Germany“, rief ein junger Australier – „Ich hätte nicht gedacht, dass es in Deutschland überhaupt großkalibrige Waffen gibt!“

„Das ging mir [Hardy Schober, BK] genau so“, antwortete ich. „Bis zu jenem Tag.“

Da haben ein junger Australier und ein schwäbischer Antiwaffenfanatiker wohl etwas aneinander vorbeigeredet.

Wenn man mit angloamerikanischen Kulturkreis von „large caliber“ spricht, dann meint man alles mögliche, aber ganz bestimmt keine Handfeuerwaffen in „normalen“ Kurzwaffenkalibern.

Der Deutsche sprach von „large caliber“ als wörtliche Übersetzung des ausschließlich im deutschen Sprachraum im Zusammenhang mit Handfeuerwaffen gebräuchlichen Begriffs „Großkaliber“ und hatte die böse Beretta 92 im Kaliber 9 x 19 im Sinn.

Vor dem geistigen Auge des Australiers dürfte dagegen das Bild eines „typischen“ Deutschen entstanden sein, der mit Lederhosen und Seppelhut dasteht, Bier trinkt, Bratwurst isst und zwischendrin eine Panzerbüchse, Haubitze oder schwere Schiffsartillerie abfeuert, während im Hintergrund gejodelt wird oder die Blasmusik spielt.

Diese Erkenntnis über die Verwendung von „large caliber“ in Deutschland war für den jungen Mann aus Down Under bestimmt neu…

Okay, vielleicht ist das mit den Haubitzen oder der Schiffsartillerie jetzt ein wenig übertrieben. Fakt ist aber, dass es für jeden, der sich auch nur oberflächlich fürs deutsche Waffenrecht oder Schützenwesen interessiert, völlig problemlos recherchieren lässt, welche Waffen, Kaliber oder Disziplinen hierzulande erlaubt und zugelassen sind.

Vielleicht war der Australier einfach nur ein Australier, der sich vorher (und wahrscheinlich auch nachher) keine Bohne dafür interessiert hat, ob man auf der anderen Seite der Erdkugel normale Kurzwaffenkaliber gleich als „Großkaliber“ bezeichnet oder nicht.

Wie recht der junge Mann mit seinem Einwurf doch hatte: Bis zum Amoklauf von Winnenden war es in Deutschland ein gut gehütetes Geheimnis, wie viele dieser Waffen sich legal in privater Hand befinden.

Ein gut gehütetes Geheimnis?

Nee, Herr Schober. Vielleicht war das für Sie neu, aber ein „gut gehütetes Geheimnis“ war das noch nie. Sie haben sich vorher nicht dafür interessiert, das ist alles.

Und hätte Sie nicht dieser furchtbare Schicksalsschlag getroffen, dann wäre es Ihnen heute noch genau so egal. So egal, wie Ihnen und Ihren „Verbündeten“ alle anderen Opfer von Tötungsdelikten heute noch sind, sofern sie nicht das „Glück“ hatten, mittels legaler, großkalibriger Sportmordwaffe ermordet zu werden.

Die Diffamierungswelle gegen Sportschützen rollt schon seit Jahrzehnten. Zum Glück vergisst das Web nichts, so dass man derartige Falschdarstellungen wie das „gut gehütete Geheimnis“ mit wenigen Mausklicks widerlegen kann.

Wie wäre es mit einem Artikel aus dem Jahr 1999. Sind zehn Jahre vor „Winnenden“ genug der „Entgeheimnisierung“?

Soviel für heute, demnächst mehr.

Empört euch! (Aber nur WIR, verstanden!?!)

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In einer losen Folge von Beiträgen werde ich mich mit dem Hardy seinem Buch befassen.

Los geht es ziemlich weit hinten im Buch mit dem Kapitel

„Empört euch, beschwert euch, wehrt euch!“

ab Seite 190.

Empören, beschweren, sich wehren.

Recht so. Aufstehen für die eigene Sache, sich um die eigenen Belange kümmern, dafür einstehen, nicht zurück weichen und notfalls auch dafür zu kämpfen.

Kling toll, ist auch toll.

Aber:

Der gemeingefährliche Sportschütze, der potenziell Amok laufende Jäger und die tickende Zeitbombe Waffensammler – für die gilt das selbstverständlich nicht.

Wenn Sportschützen sich empören über verunglimpfende Berichterstattung, sich wehren gegen Anlassgesetzgebung, sich beschweren über Hetze von Medien oder Politikern – das ist natürlich etwas anderes. Die sind ja die böse Waffenlobby und wer sich dazu bekennt, hat die Schnauze zu halten oder, besser noch, Abbitte zu leisten.

Zumindest, wenn es nach Hardy und Konstantin gehen würde.

Sich zu empören und sich zu wehren ist nämlich das Privileg der unterdrückten Weltverbesserer vom Schlage eines Konstantin Wecker.

Er [Konstantin Wecker, BK] sagte: „Ich bin vor 40 Jahren angetreten um die Welt zu verändern. (…) Ich glaube, ich habe viel bewirkt bei einzelnen Menschen. Das merke ich an Briefen und Mails, die ih bekomme. Ich habe Mut machen können, habe die Leute zum Teil politisch anregen können, anders zu denken. Ich glaube, dass wir alle Mosaiksteinchen sind: Aufrechte Journalisten, Künstler, auch viele Wissenschaftler, die sich nicht mit einer ungerechten Welt abfinden wollen. Vielleicht muss man die Frage anders stellen: Wie schrecklich wäre die Welt, wenn es uns alle nicht gäbe?“

„Der Welt“ ist es vermutlich schnurzpiepsegal, ob es einen Konstantin Wecker gibt, drei Dutzend oder gar keinen davon.

Immerhin, den Zustand seiner Nasescheidewand dürfte er nachhaltig verändert und nicht unwesentlich zur Steigerung des Lebensstandards seines Kokaindealers beigetragen haben.

Aber sonst?

Überhebliches, selbstgerechtes Geschwafel eines vorbestraften Kokser, der nachweislich rechtstreuen und unbescholtenen Bürgern meint, von der Moral predigen zu müssen.

Bei Herrn Schober fallen derlei hohle Phrasen von der gerechten Welt natürlich auf fruchtbaren Boden:

Das ist eine der wichtigsten Botschaften, dir mir jemals ein Mensch mit auf den Weg gegeben hat: Geh mit erhobenem Kopf und breiter Brust. Wir tun Gutes und dürfen stolz darauf sein. Denn was wäre die Welt, wenn es uns alle nicht gäbe?

Ehrliche Antwort?

Besser.

Denn der blinde, unerschütterliche Glaube daran, Gutes zu tun, zeichnet Fanatiker aus. Und von der Sorte hatte die Welt schon wirklich mehr als genug.