Nichts zur Sache in Baden-Württemberg

Screenshot: https://www.swrfernsehen.de/zur-sache-bw/av-o1212121-100.html

Wegen des Coronavirus fiel die jährliche Instrumentalisierung der Opfer von „Winnenden“ dieses Jahr fast aus. Aber eben nur fast. Zur Sache ging es im SWR am 12. März um 20.15 Uhr. Wie nicht anders zu erwarten war, sehr einseitig und alles andere als objektiv, weshalb ich gleich das Kontaktformular der Sendung nutzte, um meinem Missmut Luft zu machen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Sendung vom 12. März berichten Sie u. a. über die nach „Hanau“ neu entbrannte Debatte über erneute Waffenrechtsverschärfungen. Da die Sendung noch nicht in der Mediathek ist, beziehen sich die nachfolgenden Zeilen auf das, was mir noch im Gedächtnis ist:

Leider war der Bericht sehr einseitig. Dem professionellen Gun-Control-Lobbyisten Roman Grafe wurde nicht nur viel Zeit für direkte Meinungsäußerungen eingeräumt, auch wurden die von ihm nach seinen eigenen, völlig willkürlichen Kriterien ermittelten, angeblichen „Sportmordwaffen-Opferzahlen“ dem unbedarften Zuschauer als Fakten verkauft.

Die Manipulation der Zuschauer durch eine „Versinnbildlichung“ dieser angeblichen Opfer durch auf eine Landkarte gestellten Holzkreuze ist pure Meinungsmache. Würde man nicht nur nur die angeblichen „Sportmordwaffenopfer“ der letzten 30 Jahre so darstellen, sondern wenigstens nur die Opfer von vollendeten Tötungdelikten des Jahres 2018, dann müssten 699 Holzkreuze diese Karte bedecken, bei denen in weniger als ein Prozent der Fälle das Tatmittel eine legal besessene Schusswaffe war. Bei allen Opfern in diesem 30-Jahres-Zeitraum würden sich die Holzkreuze Richtung Decke stapeln. Warum werden dem Zuschauer diese Vergleichszahlen vorenthalten, aus denen dieser das „Risiko“, einem Sportschützen zum Opfer zu fallen, viel besser einschätzen könnte?


Im Beitrag wird suggeriert, dass der Täter von Winnenden Sportschütze war. Dies ist schlichtweg falsch. Der Vater des Täters war Sportschütze und hat eine seiner Waffen nicht gesetzeskonform aufbewahrt. Gemordet hat aber dessen Sohn, der eben kein Sportschütze war. Sippenhaft ist in Deutschland m. W. seit 75 Jahren abgeschafft.
Die Erklärung, wie man angeblich eine Waffenbesitzkarte erhält, war auch nicht korrekt dargestellt. Man lädt sich nicht einfach ein Formular herunter und füllt dies aus und schickt es an die Behörde. Man muss gegenüber dem jeweiligen Landesverband nachweisen, dass man regelmäßig über die letzten zwölf Monate mit erlaubnispflichtigen Schusswaffen trainiert hat, erst wenn man diese Bestätigung über ein „Bedürfnis“ vorweisen kann, kann man das Antragsformular für die Erteilung einer Waffenbesitzkarte ausfüllen. Und die Erlaubnis bekommt man auch erst, nachdem die Behörde die Zuverlässigkeit und persönliche Eignung des Antragstellers geprüft hat, das dauert mitunter auch nochmal Monate. Zwischen Eintritt in einen Schießsportverein und Erteilung der ersten waffenrechtlichen Erlaubnis liegen meist wenigstens 15 Monate.

Dem Medienprofi Roman Grafe stellte man dann ein paar O-Töne von Sportschützen gegenüber, die teilweise überhaupt keine Erfahrung im Umgang mit Medienvertretern haben. Und vom Gesagten wird dann vermutlich auch noch die unpassendste Bemerkung aus dem Kontext gerissen und so in den Beitrag geschnitten, dass sie besonders zynisch erscheinen muss.

Sie erwähnen im Beitrag Umfragen, wonach die Mehrheit der Deutschen für weitere Waffenrechtsverschärfungen wären.
Das ist auch nicht verwunderlich, wenn der waffenrechtlich völlig unbeleckte Bürger seine Informationen zu diesem Thema aus den Medien bezieht und hier eben genau so einseitig und tendenziös die Meinungsbildung beeinflusst wird, wie durch ihre Sendung. Da können dann nur so Umfrageergebnis dabei herauskommen. Wenn ich nur SWR bzw. deutsche TV-Reportagen zum Thema gucken würde, wäre ich garantiert auch gegen Waffenbesitz. Von daher sind die Ergebnisse dieser „Umfragen“ das Produkt Ihrer Arbeit.

Mit freundlichen Grüßen

Benedikt Krainz

Nachtrag: Inzwischen ist die Sendung auch über die SWR-Mediathek (ab Minute 28:16) abrufbar.

Eine Antwort auf „Nichts zur Sache in Baden-Württemberg“

  1. Vielen Dank für die Reaktion auf einen weiteren Framingbeitrag unseres geschätzen Märchenerzählers und seiner ÖR Supporter.

    Eigentlich bemerkenswert was sich der ÖR nach dem Delikt von Halle noch so an wahrheitswidiger Darstellung traut.

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