Herborn-Uckersdorf: Öffentliche Jägerverbrennung vorerst abgesagt

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Das wäre aber auch zu schön gewesen:

Ein Unbekannter erschießt hinterrücks und heimtückisch und mit einer Präzision, wie man sie nur von lodentragenden Tiermördern kennt, zwei kleine, süße Parma-Kängurus.

In der Nacht zum Donnerstag sind im Herborner Vogel- und Tierpark zwei Kängurus erschossen worden. Die Polizei tippt auf einen Profi. „Die Tiere wurden ganz gezielt und eiskalt ausgesucht“, meint der Leiter des Parks.

In Internetforen, sozialen Netzwerken und auf den Kommentarseiten der Online-Zeitungen wetzen die Antijagdexperten schon die Messer, um ihrerseits diesen Frevel mindestens mit gleicher Münze heimzuzahlen.

Denn der Schuldige, da war man sich ziemlich sicher, konnte nur ein Jäger sein. Oder wenigstens ein schießwütiger Sportschütze.

Für diese in gleichem Maße ahnungslosen wie echauffierten Großmäuler war dies der ultimative Beweis, dass Jäger und die Jagd überflüssig sind und die Natur viel besser ohne menschlichen Eingriff auskommt.

Blöd nur, dass sich zwischenzeitlich herausgestellt hat, dass der „Täter“ kein verabscheuenswürdiger zweibeiniger Jäger mit Präzisions-Schießgewehr war, sondern einer mit vier Beinen und einem ziemlich kräftigem Gebiss.

Denn das soll auch in der freien Natur vorkommen, dass Tiere andere Tiere reißen und sogar auffressen. Kleine, wenig wehrhafte Tiere wie Parma-Kängurus haben gegen körperlich überlegene Räuber keine Chance. Selbst das Gehege bot keinen Schutz.

Spätestens an dieser Stelle sollte beim einen oder anderen selbsternannten Tierschützer bzw. Jagdgegner vielleicht doch langsam die Erkenntnis reifen, dass auch in einer seit Jahrhunderten durch den Menschen geformten Kulturlandschaft die Gesetze des Dschungels unverändert gelten:

Keine friedliche Koexistenz. Keine gegenseitige Rücksichtnahme. Kein „Bambi“-Romantik-Kitsch, sondern natürlichster Selbsterhaltungstrieb. Fressen und gefressen werden.

Für die Medien ist der Käse gegessen, nachdem die Geschichte eine so völlig unspektakuläre Wendung genommen hat.

Kein mordlüsterner Waidgeselle, über den man noch ein paar Tage Theorien aufstellen könnte. Keine medienwirksame, ballistische Überprüfung sämtlicher registrierter Jagd- und Sportwaffen im betreffenden Kaliber. Nicht einmal Spekulationen über das „Wie“ und „Warum“ kann man noch anstellen.

Der „Tiermörder“ ist selbst ein Tier.

Nichts sensationelles. Nur stinknormale Natur.

4 Antworten auf „Herborn-Uckersdorf: Öffentliche Jägerverbrennung vorerst abgesagt“

  1. Eine weitere Bestätigung dafür, weshalb Zeitungen (online wie auf Papier)für mich lediglich eine Newsquelle sind und kein vertrauenswürdiger Lieferant für Hintergründe. Haarsträubend verfremdete Zitate und voreilige Schlüsse ziehen sich von den ganz großen Medien bis zur kleinen Lokalzeitung. Schade für die seriösen Journalisten.

  2. Habe soeben aus gut unterrichteter Quelle erfahren, dass der mutmaßliche Mörder gefasst wurde. Von einem Jäger, einem „Profi-Schützen“. Es handelte sich um einen verschmusten, ausgebüxten Sofahund, der eigentlich „nur spielen“ wollte. Wie sieht es denn aus, wenn die Bissmarken übereinstimmen ? Bekommt der Jäger die Belohnung, wenn er den passenden Hundekadaver abliefert ?

    O.K. Ironie aus.

    Jäger sind übrigens nicht nur gut ausgebildet im Schießen. Sie kennen sich auch sehr gut in Wildbiologie und entsprechenden Verletzungen bei Tieren aus. Was man in diesem Fall von dem ausgebildeten Biologen ja nun nicht gerade behaupten kann. Wer eine Schusswunde nicht von einer Beißattacke unterscheiden kann, hat seinen Beruf verfehlt.

    Aber Hauptsache, man macht erst mal gewaltig Stimmung gegen ausgebildete Schützen. Frei nach Roman Grafe z.B. : „Der Täter kam aus dem Schützenverein.“

  3. Einen großen Dank an die Nachbarn, dass sie sich nicht alles gefallen lassen und eine öffentliche Entschuldigung einfordern.

    Vielen Dank an mittelhessen.de, dass sie den Betroffenen den Raum geben, ihren Unmut zu äußern.
    http://www.mittelhessen.de/lokales/region-dillenburg_artikel,-Kaenguru-Tod-Entschuldigung-soll-her-_arid,49018.html

    Herr Rade sprach von einem „Profi-Schützen“. Diese findet man beruflich bei Armee und Polizei, sowie privat bei Jägern und Sportschützen. Ich denke, dass ich für einen gewissen Teil der legalen Waffenbesitzer sprechen darf, dass wir uns dieser Forderung an eine öffentliche Enschuldigung anschließen.

    Legale Waffenbesitzer werden vom Staat regelmäßig überprüft und sind (statistisch nachgewiesen) 200x gesetzestreuer als der Durchschnittsbürger. Die Kombination „Profi-Schütze“ und „irre im Hirn“ kommt daher seltener vor als ein 6er im Lotto mit Zusatzzahl und die Wahrscheinlichkeit, dass solch eine Person in der Nachbarschaft des Parks wohnt, ist demnach noch 80 Millionen mal kleiner.

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