Ill-egal

In Karlsruhe hat heute ein Mann vier Menschen und anschließend sich selbst erschossen.

Entgegen ersten Meldungen, die den Mörder als „Jäger“ und „Besitzer mehrerer legaler Waffen“ darstellten, scheint nach derzeitigem Erkenntnisstand beides nicht zuzutreffen.

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Die Waffen waren illegal und die Tat offenbar lange geplant.

Wie hoch die Wellen der Entrüstung schlagen würde, wenn es sich bei dem Täter wirklich um einen Jäger oder – noch „besser“ – einen bösen Sportschützen gehandelt hätte, kann man sich ausmalen. Die hoplophobische Hyperventilation seitens einiger Medien, PolitikerInnen und OpferbündnisvertreterInnen nach dem Nicht-Amoklauf von Memmingen sind ja noch gut im Gedächtnis.

Man kann davon ausgehen, dass nach den ersten Meldungen zu den tragischen Geschehnissen in Karlsruhe und den vermeintlich legalen Tatwaffen die Volksentwaffnungslobby schon in den Startlöcher stand, um die Opfer dieses Verbrechens für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Jetzt sieht es so aus, als ob sich wieder einmal das bestätigt hätte, was die Antiwaffennarren so vehement bestreiten:

Die Tatsache, dass illegale Waffen das eigentliche und legale Waffen ein größtenteils herbei fantasiertes Problem sind – auch wenn man noch so oft „Winnenden“ bemüht.

Leider wird man auch nach diesem Verbrechen vergebens darauf warten, dass eine empörte Claudia Roth den illegalen Waffen den Kampf ansagt und ihre Partei entsprechende Gesetzesinitiativen einbringt. Roman Grafe wird garantiert nicht zur Demonstration gegen Waffenschieber am Karlsruher Hauptbahnhof aufrufen und auch keine „Fußspuren“ auf dortige Bürgersteige malen.

Geschweige denn, dass der baden-württembergische Innenminister Reinhold Gall die Ordnungsämter im Ländle anweist, statt die ohnehin einer permanenten staatlichen Kontrolle unterstehenden Legalwaffenbesitzer zum x-ten mal zu überprüfen, lieber Personal und Mittel zielgerichtet gegen illegale Waffenbesitzer einzusetzen.

War die Tatwaffe illegal, dann ist es die Tat, zumindest großen Teilen von Politik und Medien, mittelfristig auch. Nur eben ohne „ill“.

Einfach egal.

5 Antworten auf „Ill-egal“

  1. Die IANSA-Nachläufer werden dies einfach nicht als das was sie gerne Amoklauf nennen gelten lassen, somit passt ihre „Statistik“ wieder.
    Außerdem wird morgen schon wieder drüber hinweg gegangen als ob nichts gewesen wäre.
    Keine seitengroßen Abbildungen der Tatwaffen in der BILD, kein Geschwafel von Eggsberden dass nichtregistrierte Waffen aus den Haushalten verschwinden müssen.
    Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass die Menschen sich irgendwann nicht mehr hinters Licht führen lassen.

  2. Mir ist aufgefallen, dass bei den Fällen, wo legal besessene Waffen im Spiel waren, ellenlange blogs existieren, wo sich Uninformierte und Ideologisierte zu Wort melden – wo allerdings auch Legalwaffenbesitzer auch mal dagegen halten.
    In diesem Fall von Karlsruhe mit offenbar illegal beschafften Waffen werden keine Kommentare zugelassen. Zufall ?

  3. Ich habe heute als Reaktion auf dieses Posting

    05.07.2012 20:47 Uhr
    von Wilfried :

    Ich habe für die Opfer, die arbeitslose und dann enteignete Eigentümerin und ihren arbeitslosen Lebenspartner Verständnis. Die anderen sind Profiteure des Systems, selbst schuld.

    auf der TAZ folgenden Kommentar hinterlassen, wohlwissend was er nicht veröffentlicht wird:

    @ Wilfried

    Mit ihrer linksreaktionären Denkweise sind eigentlich reif für den Psychiater. Kein Mensch verdient den Tod und Ihr Verständnis für den Täter, der ja das eigentliche Opfer sein soll, weil er wohl in unserer bösen kapialistischen Welt nicht zurechtkam, muß man als pathologisch bezeichnen. Was mich erschreckt ist, das dieser Kommentar nun schon 2 Tage unwidersprochen an oberster Stelle steht.
    Es geht auch anders- ich kenne einen Fall aus dem Kollegenkreis, der wegen Scheidung auch die Raten als Alleininhaber der Wohnung nicht mehr zahlen konnte. Mittels eines Schuldenberaters der Caritas, des Scheidungsanwaltes und ein wenig Goodwill der Bank konnte die Wohnung verkauft werden, der Kredit fast ausgelöst werden, der Kollege kam mit einem dicken blauen Auge aus der Sache raus und steht heute wieder auf eigenen Beinen. Man muß nur wollen und sich helfen lassen.
    Was mich auch wundert ist das Schweigen im Walde zu dem Thema des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden, von Roman Grafe von der Initiative sportmordwaffen sowie dem Bund deutscher Kriminalbeamter, dessen Vorsitzender Klaus Janssen das Waffenrecht der DDR einfordert, weil es gut war.
    Liegt es daran, das man das nicht dem bösen Feindbild Sportschützen, Jägern und Waffensammlern ans Bein heften kann?

    MfG W.Weldle

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