Hätte, wäre, wenn und Brötchen

Zu blöd aber auch, dem „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“, böse Zungen sprechen schon vom „Amoklaufverwertungsbündnis“, gehen langsam die prominenten Schirmherren aus. Erst kam der Ministerpräsident Oettinger abhanden, dann der Bundespräsident Köhler und jetzt hat sich auch der Innenminister Rech mit einer mehr oder weniger fadenscheinigen Begründung zurück gezogen. Auch die erhofften kleinen und vor allem großen Spenden edler Gönner scheinen nicht so richtig einzutrudeln und ohne Moos ist nun mal bekanntlich nichts los.

Aber zum Glück unterhält man ja beste Kontakte zum SWR und irgend ein Kamerateam findet sich immer, um auf Gebührenzahlerkosten unwichtige und total unwichtige PR-Atkionen der AAW-Vorderen, also in der Regel Herr Schober, in Szene zu setzen und die Manifestation der Selbstgerechtigkeit wenigstens für einen Augenblick wieder aus der Versenkung zu holen.

Da scheut man dann auch nicht davor zurück, die Mordopfer von Lörrach zu instrumentalisieren und vor den eigenen PR-Karren zu spannen und das eigene Mantra von den bösen und zu verbietenen Großkaliberwaffen herunterzuleierern:

Es müssten endlich die großkalibrigen Waffen verboten werden, weil kein Sportschütze sie brauche. In Lörrach, so vermutet Hardy Schober, wäre Schlimmeres passiert, hätte die Täterin nicht mit einer Kleinkaliber-Pistole geschossen. Die angeschossenen Passanten, so vermutet er, hätten bei einer anderen Waffe keine Chance gehabt.

Bauknecht weiß vielleicht, was Frauen wünschen, aber Herr Schober weiß ganz bestimmt nicht, was Sportschützen brauchen.

Immerhin „vermutet“ er nur, dass mit einer großkalibrigen Waffe in Lörrach Schlimmeres passiert wäre. Ich vermute auch mal etwas. Und zwar, dass Herr Schober nach wie vor keinen blassen Schimmer von Wundballistik hat.

Übrigens wurde in Lörrach auch mit großkalibrigen Waffen herumgeballert und das nicht wenig. Vielleicht hat Herr Schober auch eine Vermutung, warum denn die Polizisten die Täterin mit ihren großkalibrigen Dienstpistolen im angeblichen Killerkaliber 9 mm Para 17 mal (!!!) treffen mussten, um sie zu töten.

Nach der Theorie der AAW-„Experten“ müsste doch eigentlich der erste Großkaliber-Treffer sofort das Lebenslicht des Getroffenen ausblasen. Aber vermutlich nur, wenn ein besonders gefährlicher Sportschütze eine besonders tödliche Kugel aus einer besonders präzisen Sportwaffe abfeuert.

Ganz davon abgesehen, dass in Lörrach neben der Schusswaffe auch ein Messer und in großen Mengen leichtenzündliche Flüssigkeiten im Spiel waren, ganz davon abgesehen, dass die Mörderin ihr eigenes Kind mit ihren eigenen Händen erstickt hat – und das sind keine Vermutungen.

Ging es die ganze Zeit, wenn schon nicht um den Täter, dann immerhin noch um das tatsächlich verwendete Tatmittel, so ist man nun der Realität um eine weitere Stufe entrückt. Jetzt muss schon ein „hätte-wäre-wenn“ als Begründung für die Verbotsfantasien herhalten.

Falls Sie also demnächst mit dem Fahrrad Brötchen holen fahren und Sie darauf hin ein Norwegerpulli tragender Müslifreak mit Nickelbrille und ungepflegtem Wuschelbart als Umweltverschmutzer und Klimakiller beschimpft, dann hat der Mann nach Schober-Logik ja nicht einmal Unrecht.

Sie hätten ja schließlich auch den Drahtesel stehen lassen und mit dem Auto fahren können.

Eine Antwort auf „Hätte, wäre, wenn und Brötchen“

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