Brief an die „Sächsische Zeitung“

Ein Kommentar vom Redakteur Frank Grubitzsch auf diesen Artikel veranlasste mich, einen etwas lang geratenen Brief an die „Sächsische Zeitung“ zu schicken.

Herr Grubitzsch kommentierte die Klage von Bürgern in Chicago auf privaten Waffenbesitz wie folgt:

Mehr Waffen sind keine Lösung

Frank Grubitzsch
Von Grubitzsch.Frank@dd-v.de
über die USA und das Recht auf privaten Waffenbesitz

Er ist der neue Held der Waffenlobby in den USA: Otis McDonald klagt vor dem Obersten Gericht das Recht auf privaten Waffenbesitz ein. Das ist zwar in der Verfassung verankert, aber in Städten wie Chicago durch eigene strikte Regelungen untersagt.

Der Kläger fühlt sich unzureichend geschützt angesichts wachsender Kriminalität. Doch trägt privater Waffenbesitz tatsächlich dazu bei, der Kriminalität Herr zu werden? Ein Staat, der seinen Bürgern gestattet, Waffen nicht nur offen zu tragen, sondern gegebenfalls auch einzusetzen, stellt sich ein Armutszeugnis aus. Er gesteht damit die Unfähigkeit ein, eine seiner wichtigsten Aufgaben erfüllen zu können: nämlich für den Schutz der Bürger zu sorgen.

Waffen in Privatbesitz zu legalisieren, ist kein geeignetes Rezept. Niemand kann eine Garantie dafür geben, dass die Bürger damit verantwortungsvoll umgehen und nicht womöglich zur Selbstjustiz greifen. Nicht zuletzt erhöht privater Waffenbesitz die Gefahr, dass sich Aggression in blutigen Amokläufen entlädt.

Das Oberste Gericht sollte seine Entscheidung wohl bedenken. Wenn es das Verbot für privaten Waffenbesitz in Chicago aufhebt, wäre das ein Dammbruch. Die Waffenlobby mag sich nichts sehnlicher wünschen; der Sicherheit der Bürger dient das nicht.

Meine Antwort:

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Grubitzsch,

zu Ihrem Kommentar „Mehr Waffen sind keine Lösung“ erlaube ich mir als Waffenbesitzer, Sportschütze und Mitglied der Waffenrechtsorganisationen „Forum Waffenrecht“ (www.fwr.de) sowie „Pro Legal“ (www.pro-legal.de) einige Anmerkungen.

Nicht nur in Chicago, selbst in Deutschland, wo uns Politiker immer suggerieren, dass angeblich „jede Waffe weniger mehr Sicherheit bedeutet“, stimmt das nicht. Der Bestand an Schusswaffen wächst Jahr für Jahr, gleichzeitig sinkt die Schusswaffenkriminalität kontinuierlich. Die durch Verbotspolitiker und Massenmedien herbeifantasierte Bedrohungslage existiert in der Wirklichkeit schlicht und einfach nicht. Ein Blick in die vom BKA jährlich veröffentlichte „Polizeiliche Kriminalstatistik“ oder wenigstens bei Wikipedia, Stichwort „Waffenmissbrauch“, würde genügen.

Gleiches gilt für die USA. Mittlerweile dürfen unbescholtene und entsprechend geschulte Bürger in fast allen Bundesstaaten Waffen führen. Dies führte zu einem Rückgang an Gewaltverbrechen und nicht zu den von der Antiwaffenlobby herbeihysterisierten Wild-West-Zuständen. Dort herrscht mittlerweile allgemeiner Konsens, dass die Polizei nicht jeden Bürger rund um die Uhr schützen kann und somit diesen die Möglichkeit eines effizienten Selbstschutzes gewährt werden muss. Das Wohl des potenziellen Opfers steht im Vordergrund, nicht das des Angreifers. Die Zahl der verkauften Schusswaffen erreichte seit Obamas Amtsantritt ein neues Rekordniveau, während die Kriminalitätsrate nach unten geht.

Das umgekehrte Bild ergibt sich in England, hier wurde ein weitestgehendes Schusswaffenverbot durchgesetzt und die Gewaltkriminalität ist sprunghaft angestiegen. Rechtstreue und somit unbewaffnete Bürger werden zum Freiwild für illegal bewaffnete Kriminelle. Jüngst wurde dort sogar die Methode der statistischen Erhebung „angepasst“, um diesen Anstieg weniger dramatisch aussehen zu lassen.

Der Verweis auf mögliche Amokläufe greift ebenfalls zu kurz. Gerade in den USA finden Amokläufe fast immer an Orten statt, wo Schusswaffen ausdrücklich verboten sind, den sog. „Gun Free Zones“. Daran halten sich auch alle, außer eben dem Amokläufer.

Auch in Deutschland sind Schulen die „beliebtesten“ Tatorte, weil dort garantiert niemand zurück schießen kann. Davon abgesehen, birgt der tägliche Schulweg für Lehrer wie Schüler ein statistisch wesentlich höheres Risiko, als der extreme Ausnahmefall „Amokläufer“. Die tatsächliche und die gefühlte Bedrohungslage liegen, nicht zuletzt durch die exzessive Berichterstattung, meilenweit auseinander. Angstmacherei hebt eben die Auflage und sichert Politikern Medienpräsenz.

In Hinblick auf die jüngere deutsche Geschichte erscheint es auch geradezu lächerlich, den Bürgern einen verantwortungsbewussten Umgang mit Schusswaffen absprechen zu wollen. Millionen Menschen wurde im dritten Reich nicht durch Jäger, Sportschützen oder Waffensammler massakriert, sondern durch staatlich angeordneten bzw. legitimierten Schusswaffeneinsatz von Dienstwaffenträgern. Auch in der DDR bezahlten hunderte wehrlose Bürger die gesetzeskonforme Anwendung von staatlicher Waffengewalt mit dem Leben. Wer gibt dem Bürger eine Garantie gegen staatlichen Schusswaffenmissbrauch, Herr Grubitzsch?

Beim Betrachten bzw. Lesen waffenbezogener Berichte in der deutschen Medienlandschaft wird man den Eindruck nicht los, dass hier hauptsächlich voneinander abgeschrieben und immer wieder die gleichen ungeprüften oder nicht recherchierte Behauptungen und Halbwahrheiten als Fakten verkauft werden.

Sowohl in den USA, als auch in Deutschland, England und anderen vergleichbaren Industrienationen ist der illegale Waffenbesitz das Problem. Fast alle Verbrechen inkl. der Amokläufe mit Schusswaffenbeteiligung haben gemein, dass sie von Personen verübt wurden, die zum Tatzeitpunkt die verwendete Schusswaffe illegal besaßen. Genügend belastbares Zahlenmaterial ist vorhanden, warum dies dem unbedarften Leser oder Fernsehzuschauer vorenthalten und statt dessen ein der Lebenswirklichkeit widersprechendes Horrorszenario bezüglich der Gefahren privaten, legalen Waffenbesitzes aufgebauscht wird, bleibt wohl das Geheimnis der jeweiligen Redaktionen.

Noch nie lebten wir sicherer, obwohl noch nie so viele Waffen im Volk waren, wie heute. Privater Waffenbesitz in Händen verantwortungsvoller Bürger ist eben kein schlimmes Übel, auch wenn das dem Zeitgeist und der veröffentlichten Meinung zuwider läuft. Die Kriminalitätsrate lässt sich sowieso nicht übers Waffengesetz regulieren. Das Problem sind nun mal die zum Rechtsbruch bereiten Täter und nicht die eingesetzten Tatmittel.

Niemand muss gegen seine Überzeugung Waffen besitzen, aber der rechtstreue und verantwortungsbewusste Bürger darf durch ideologisch motivierte Verbote und Gesetze auch nicht schlechter gestellt werden, als der Rechtsbrecher. Darum geht es, nicht nur in Chicago.

Mit freundlichen Grüßen

5 Antworten auf „Brief an die „Sächsische Zeitung““

  1. Kompliment. Sehr guter Beitrag-deckt sich voll mit meiner Einstellung. Zur
    Information: Bin Servicetechniker-Ing-2facher Familienvater-seit über 30
    Jahren berufstätig und wie schrecklich seit über 30 Jahren Legalwaffenbe-
    sitzer und absolut nicht das geringste Sicherheitsrisiko-meine Waffen sind
    so gut gesichert, daß ich damit sogar die kontrollierenden Beamten damit
    verblüffe ( 2 unabhängige netzunabhängige Alarmanlagen mit SMS Funntion ). Es ist nicht nur eines meiner zahlreichen Hobbies, sondern auch
    meine Familie und mich optimal zu beschützen. Mich würde sehr interessieren, warum etliche Gutmenschen ohne Sachkenntnis die legalen
    Waffenbesitzer als Feindbild sehen und sehen wollen und was diese Gut-
    menschen mit dem Verbot des legalen Waffenbesitzes zu gewinnen hoffen.
    Beispiele gibt es : Vergleich England und Vereinigte Staaten. Allen Waffen-
    bestzern meine Unterstützung und weiterhin großen Erfolg-

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