Alles Waffenlobbyisten, oder was?

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Wenn die ominöse „Waffenlobby“ in Deutschland nur halb so gut aufgestellt und omnipräsent wäre, wie das die Waffenverbieter so gerne beklagen, müsste sich unser Waffenrecht an dem der Schweiz orientieren und nicht zunehmend am nordkoreanischen.

Doch im normalen Tagesgeschäft herrscht vollkommene Fehlanzeige bezüglich dieser „Waffenlobby“, wenn man von den Leserkommentaren absieht.

Den Protagonisten vom „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“, allen voran Frau Mayer und Herr Schober, wird reichlich Gelegenheit geboten, ihre Sicht der Dinge dem unbedarften Leser oder Zuschauer kund zu tun. Gleiches gilt für „Experten“ wie Britta Bannenberg oder die Herren Grafe, Pfeiffer oder Brennecke, die als gefragte Gastautoren oder Interviewpartner ihre teilweise äußerst eigenwilligen Interpretationen der Lebenswirklichkeit zum Besten geben dürfen.

Ob z. B. die „Lampertheimer Zeitung“ neben dem Interview mit Giesela Mayer auch einen „Waffenlobbyisten“ um seine Meinung gebeten hat, darf zumindest bezweifelt werden.

Ihre schriftliche „Stellungnahme“ – persönlich war sie, anders als die „Waffenlobbyisten“, in Berlin zur Ausschusssitzung gar nicht anwesend – war jedenfalls ein Versatzstück eines Focus-Interviews mit Herrn Schober, wie schon hier berichtet wurde.

Die Antworten von Frau Mayer auf die Fragen des Redakteurs der „Lampertheimer Zeitung“ offenbaren die gewohnte Faktenignoranz:

Frage:
Die Grünen-Initiative zur Novellierung des Waffenrechts hat wohl keine Aussicht auf Erfolg. Dabei hat der Innenausschuss des Bundestages auch Ihre Argumente zur Kenntnis genommen. Wie groß ist Ihre Frustration?

G. M.:
Ich habe mit dieser Entwicklung gerechnet. Immerhin hatte ich drei Jahre Zeit, die Macht der Waffenlobby kennen zu lernen. Außer mir sind im Ausschuss nur Personen gehört worden, die dieser Lobby zumindest nahe stehen. Es ist einfach keinerlei Einsicht spürbar.

Keine Einsicht spürbar?

Der Mainzer Staatsanwalt Rainer Hofius, Sascha Braun von der Gewerkschaft der Polizei und der renommierte Journalist Lars Winkelsdorf haben den paranoiden Waffenverbietern nicht nach dem Munde geredet, sondern nüchtern die Realität beschrieben. Das reicht schon aus, um diese Praktiker als Teil oder wenigstens als der „Waffenlobby“ nahe stehend zu diffamieren.

Anstatt sich mit den Argumenten dieser Fachleute auseinanderzusetzen, die Schusswaffen, Kriminalität und Verbrecher nicht nur aus schlechten TV-Krimis, sondern aus ihrer täglichen Berufspraxis kennen, versucht man, sie zu diskreditieren.

Die einzige „Einsicht“, die man erlangen könnte, wäre die Einsicht, dass Mayer & Co. völlig faktenbefreit und nicht rational, sondern aus der Sicht eines traumatisierten Verbrechensopfer „argumentieren“.

Natürlich durfte auch der nicht stattgefundene „Amoklauf“ von Memmingen nicht fehlen, um die Mayer’sche „Argumentationskette“ aufrecht zu erhalten:

Gleich am Tag nach dieser Ausschusssitzung zeigte sich in Memmingen ja deutlich, wie die Wirklichkeit aussieht. Es war schlichtweg Glück: Hätte der Täter konsequent gehandelt, hätte es das gleiche Blutbad geben können wie in Winnenden.

Ja, diese „Wirklichkeit“. Ein Vorfall ohne Verletzte oder gar Tote ist schlimm, weil ja endlich mal wieder eine Schusswaffe eines Sportschützen im Spiel war. Das nicht der Besitzer und Sportschütze selbst geschossen hat und der Bengel die Waffe seinem Vater gestohlen hat, interessiert sowieso nicht. Man fühlt sich bestätigt, weil ja „so viel“ passiert.

Auch wenn gar nichts passiert.

Die wirkliche Wirklichkeit, vor denen sich Selektivwahrnehmer wie unsere AAW-Helden so erfolgreich drücken, sieht leider ganz anders aus.

15.06.2012: Vater tötet seine vier Kinder

Aber was jucken den deutschen Weltverbesserer schon vier durchgeschnittene Kinderkehlen, wenn man die nicht den verachtenswerten Sportschützen aufs Brot schmieren kann?

Frage:
Sehen Sie ernsthaft Anzeichen dafür, dass die Politiker der Waffenlobby hörig sind?

G. M.:
Hätten Sie mich vor zwei Jahren gefragt, wäre meine Antwort nein gewesen. Heute sage ich: ja. Die Waffenlobby ist eine hervorragend organisierte Interessenvertretung, die klar artikuliert: Wir machen unsere Wahlentscheidung davon abhängig, wie die Volksvertreter zu uns stehen. Von einem Verantwortungsgefühl gegenüber der Gesellschaft ist da nichts zu spüren.

Ist klar, Verantwortungsgefühl hat nur die Frau Mayer. In etwa das Verantworungsgefühl eines Großinquisators zu Zeiten der spanischen Inquisition gegenüber einem „Ketzer“.

Was bilden sich diese Waffenlobbyisten aber auch ein, sich nicht in Sippenhaft für Gewaltverbrechen von einzelnen Idioten nehmen zu lassen, die selbst keine Sportschützen waren, geschweige denn legal Waffen besitzen durften?

Frage:
Ihr kritischer Blick fokussiert sich auf Sportschützen. Geht von diesen Leuten unter dem Aspekt der Zugänglichkeit von Waffen wirklich eine so große Gefahr aus?

G. M.:
Ich respektiere diesen traditionsreichen Sport durchaus – aber nur, wenn er Verantwortung zeigt und notwendige Restriktionen im Bereich Aufbewahrung akzeptiert.

Nichts für ungut, aber genau diese Verantwortung legt man seit Jahrzehnten an den Tag, wie jeder, der sich unvoreingenommen die entsprechenden Statistiken bzgl. des Missbrauchs legal besessener Schusswaffen zu Gemüte führt, schnell selbst in Erfahrung bringen könnte. Wenn er (oder sie) denn wollte. Und die akzeptieren Restriktionen hinsichtlich der Aufbewahrung finden sich in Gesetzesform im Waffenrecht wieder. Das müsste man eben mal lesen…

Aufgeklärte Sportschützen wären sogar bereit, von scharfer Munition auf harmlose Lasertechnik umzusteigen.

Aufgeklärte Sportschützen könnten auch, entsprechende Schießstände und das nötige Kleingeld vorausgesetzt, mit Panzerhaubitzen schießen, ohne dass dies der inneren Sicherheit abträglich wäre. In Giesela Mayers Lieschen-Müller-Universum ist aber das Tatmittel für die Tat verantwortlich und nicht der vorsätzlich handelnde Täter.

Aber vermutlich meint sie mit den „aufgeklärten Sportschützen“ Ralf Schumann bzw. seine angeblichen, diesbezüglichen Äußerungen gegenüber der „Thüringer Landeszeitung“. Diese falschen „Zitate“ wird man Seitens der Waffenverbieter wahrscheinlich wider besseres Wissen noch in zehn Jahren als „Argumente“ bringen und auch hier die tatsächlichen Aussagen, die eben nicht ins Weltbild passen, ignorieren.

Dann würde sich endlich verifizieren, was immer nur behauptet wird: Dass es nämlich in diesem Sport um das Schärfen der Konzentration, soziale Kontakte und Brauchtumspflege geht und um nichts anderes.

Also mir persönlich gehts in erster Linie darum, eine möglichst weit entfernte Zielscheibe möglichst genau in der Mitte zu treffen. Und das bei Wind und Wetter und mit verschiedensten Schusswaffen, vom hundert Jahre alten Ordonanzprügel bis hin zur modernen Sportpistole.

Der gezielte, scharfe Schuss aus einer Feuerwaffe hat mit Laserzielblinken in etwa genau so viel gemeinsam, wie die Rallye Dakar mit Autoscooter auf dem Rummel.

Frage:
Experten sagen, das wahre Problem seien in Deutschland die vielen illegalen Waffen.

G. M.:
Das Argument ist leicht zu entkräften: Alle Amoktaten wurden mit legalen Waffen verübt.

Selbst wenn es so wäre, dass „alle Amoktaten“ mit legen Waffen verübt worden wären:

Es sind extrem seltene, spekatukäre Einzelfälle. Jedes Jahr fordern Tötungsdelikte so viele Opfer, wie 120 „Winnendens“, mehr als zwei „Winnendens“, zumindest nach Opferzahlen, passieren Woche für Woche.

Und was sagen die selbstgerechten Moralapostel dazu?

Genau. Gar nichts.

Selbstverständlich muss man auch gegen illegale Waffen vorgehen. Doch was spricht dagegen, dort anzufangen, wo man Zugriff hat?

Wenn legale Waffen nur für fünf Prozent der Schusswaffendelikte verantwortlich sind, dann wäre es wesentlich zielführender, zuerst die zu kontrollieren, die keine registrierten Waffen besitzen. Was spricht eigentlich dagegen, dort anzufangen?

Frage:
Die meisten Amoktäter handelten nicht im Affekt, sondern gingen überlegt vor. Verbote, die den Zugang zu Waffen erschweren, hätten sie aufgehalten, meinen Sie?

G. M.:
Kriminologen sagen: Die kriminelle Energie dieser Täter ist spezieller Art, ihnen fehlt die Energie, sich illegal Waffen zu beschaffen. Die meisten sind junge Männer, eher schüchtern, die den Weg geringsten Widerstands suchen. Ihre Motivation kann zusammenbrechen, wenn die Hürden hoch sind.

Leider vergisst Frau Mayer zu erwähnen, dass es sich bei den „meisten Kriminologen“ um genau einen Kriminologen handelt, nämlich den werten Herrn Pfeiffer. Und der lag mit seiner „Expertenmeinung“ in der Vergangenheit schon manches mal „leicht“ daneben.

6 Antworten auf „Alles Waffenlobbyisten, oder was?“

  1. Eigentlich nur zwei Punkte:

    1. Das Aktionsbündnis ist genauso mit Lobbyarbeit beschäftigt, also wo ist der Unterschied zu uns?

    2. Wie Frau Meyer geschrieben hat: „Alle Amoktaten wurden mit legalen Waffen verübt!“
    Ist ja auch klar, dass sie das auf diese art zu entkräften versucht. Es geht dem AAW auch nicht um die Verhinderung von Kriminalität mit Schusswaffen, die ist denen augenscheinlich egal, sondern einzig und alleine nur um Amoktaten, die aber statistisch gesehen äußerst selten stattfinden.

  2. Der Unterschied zwischen der „Waffenlobby“ und dem Bündnis liegt eindeutig im Wahrheitsgehalt der Aussagen.
    Die einen halten sich an Fakten, die anderen spinnen, verfälschen Aussagen oder lügen.

  3. Aber wir können so oft dagegen argumentieren wie wir wollen, denn hier sprechen „die Hinterbliebenen der Opfer“. Das diese nicht anders argumentieren wollen, ist wohl menschlich, auch wenn sie sich Negativäußerungen hingeben.

    Gegen den das AAW zu argumentieren ist sinnlos, die Bevölkerung steht auf deren Seite. Da muss man einfach nett und sachlich die Argumente mit Fakten gerade stellen und ggf. die ein oder andere sachlich-nachdenkliche Frage anhängen.

    Finds immer lustig, wenn mit Waffen-‚Lobby‘ argumentiert wird, welche Einzelvertretung ist denn gemeint, denn eine Gesamtvertretung scheint es gefühlt nicht zu geben?!

  4. Was ist denn dies für eine verlogene Dame?

    Zitat: „Alle Amoktaten wurden mit legalen Waffen verübt.“

    Soll sie doch mal erklären, wie der Junge von Winnenden an seine „legale Waffe“ gekommen ist!

    Gar nicht! Die hat er gestohlen!

  5. „Gegen den das AAW zu argumentieren ist sinnlos, die Bevölkerung steht auf deren Seite.“

    Die IANSA ist eine internationale, multimillionenschwere Anti-Waffen-Lobby die z.B. von UK oder der Rockefeller-Foundation Geld bekommt.

    Das AAW ist durch die IANSA unterwandert, gleich nach Winnenden war die IANSA dort vorstellig und instrumentiert die Opfer.

    So sieht es aus!

  6. Diese gute Frau Mayer hat vom Schützensport nicht die leiseste Ahnung und das will die auch nicht, die wollen nur ihr Rache.
    Hinter dem AAW steht bestimmt nicht die ganze Bevölkerung nur die Medien, ihre Sponsoren und die Grünen. Die bekanntemaßen ja gegen alles sind.

    Das Interview in der Lampertheimer Zeitung würde ich aber nicht so überbewerten, das ist ein kleines Kaff am südlichen Rand von Hessen die Auflage der Zeitung liegt bei ca. 3000 Exemplaren.

    Dennoch ist es fazinierend wie hier vom AAW Fakten so verdreht werden das es in denen ihr schema passt. Mir fällt spontan nur ein Vorfall ein in dem eine halbwegs legale Waffe im spiel war das war Lörrach.

    Wenn die legalen Waffenbesitzer so gefährlich, schießwütig und unberechenbar wären wie die Waffengegner immer behaupten gäbe es schon lange keine Antiwaffenlobby mehr.

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