Spiegel Online: Bürgerbeteiligung bitte ohne Bürger

Schön, wenn sich „die da oben“ auch mal außerhalb von Wahlkampfzeiten nach dem werten Befinden der Bürger erkundigen. Noch besser, wenn das sogar völlig wertfrei und ohne ideologische Scheuklappen geschieht.

So viel Bürgernähe ist aber nicht allen genehm, eher höchst suspekt:

Angela Merkel sucht im Web die Nähe zum Volk, doch ihr Internetdialog mit den Bürgern wird zum Tummelplatz für Radikale. Islamkritiker, Cannabis-Fans und Waffennarren verbuchen im Regierungsforum viel Zustimmung. Und ausgerechnet diese Akteure muss Merkel vielleicht ins Kanzleramt einladen.

Radikale Waffennarren

Waffenbesitzer sind „Waffennarren“ sind „Radikale“. So einfach ist das.

Wie hohl in der Birne muss man eigentlich sein, um einen Artikel auf „Spiegel Online“ – ganz auf Skandalisierung aus – mit „Hetzen, schießen, kiffen“ zu überschreiben und dann selbst gleich im ersten Absatz unter aller Sau zu hetzen?

Falls Herr Wittrock Nachhilfe beim „Hetzen“ braucht, kann er sich mal in seinem Redaktionsarchiv die Spiegel-Ausgabe 13/2009 besorgen und die Seiten 40 – 50 durchlesen. Oder wenigstens die Bilder angucken. Zum Beispiel einen Einkaufswagen voll mit mit Maschinenpistolen, automatischen Sturmgewehren und Panzerfäusten und untertitelt mit „Sichergestellte Waffen – Lücken zwischen Vorschrift und Vollzug“. Als ob es „Vorschriften“ zum problemlosen, legalen Erwerb von verbotenen Kriegswaffen gäbe. Hier klafft eher eine Lücke zwischen Realität und der Wahrnehmung von immerhin 15 (!!!) am Artikel beteiligten „Spiegel“-Redakteur_innen…

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SO sieht übelste Hetze und übelster Gesinnungs“journalismus“ aus, so macht man Stimmung und manipuliert die Öffentlichkeit.

Doch zurück zum „Dialog über Deutschland“.

Wie kann es da ein Bürger wagen, sich mit einem Beitrag zum Thema „Waffenrecht“ an einem Aufruf zur Bürgerbeteiligung zu beteiligen? Das ist doch Autobahn! S21-Juchtenkäfer wären okay, irgendwas furchtbar selbstkritisches zum schweren Los der Sozialpädagogen würde zur Not auch gehen. Aber doch nicht die Befindlichkeiten einer entrechteten und diskriminierten Minderheit! Radikale Waffennarren, und das sind nach „Spiegel“-Lesart nun mal alle etwa drei Millionen Waffenbesitzer in Deutschland, haben gefälligst das Maul zu halten.

Auf etwa die Hälfte an Sympathisanten kommt der Vorschlag eines „Dr Sven Dahl“, der es damit als derzeit Vierter auch noch auf die Gästeliste für das Kanzleramt schaffen würde. Unter der Überschrift „Fakten statt Lügen“ geht es ihm um das deutsche Waffenrecht.

Was an dem Vorschlag, endlich mal sachlich über das Thema Waffenrecht und Waffenbesitz zu reden, so furchtbar unanständig sein soll oder weshalb dies „Hetze“ von „Radikalen“ darstellt, das weiß man nur in der Spiegel-Online-Redaktion.

Aber vermutlich ist es nur der sprichwörtliche, getroffene Hund, der bellt:

„Ich würde mir eine anhand von Fakten und Tatsachen gesteuerte Diskussion über das völlig überzogene deutsche Waffen- und Sprengstoffrecht wünschen anstatt der zur Zeit üblichen von linken Ideologien gesteuerten Diffamierungskampagnen.“

Ich mir auch.

Doch genau das darf nicht sein, das ist der sprigende Punkt. Das Volk muss dumm gehalten werden.

Würde das Themenfeld Waffenrecht/Waffenbesitz tatsächlich nüchtern und ideologiebefreit diskutiert, kämen alle Fakten auf den Tisch, dann würden plötzlich ziemlich viele Verbotsfanatiker und Verschärfer ziemlich dumm aus der Wäsche gucken.

Sie müssten nicht nur erklären, warum sie so lange wider besseres Wissen dem unbedarften Bürger die Mär vom gemeingefährlichen, legalen Waffenbesitzer erzählt und ihn durch ein völlig realitätsfremdes, genau so herbeihysterisiertes wie -fantasiertes Bedrohungsszenario regelrecht verängstigt hat.

Viel schlimmer für die Stimmungsmacher und Hüter der veröffentlichen Meinung wäre es, wenn der so hintergangene Bürger plötzlich ins Grübeln käme, ob denn die Kompetenz von Parteien und Medien zu anderen Themen wie Energie-, Finanz-, Zuwanderungs-, Sozial- oder Gesundheitspolitik vielleicht genau so gegen null tendiert, wie beim Thema „Waffen“.

Und genau aus diesem Grund wird, sicherlich zur Freude des Herrn Wittrock, Dr. Dahl bestimmt NICHT zum Smalltalk mit der Kanzlerin eingeladen.

 
 

Zur Abstimmung – bitte mitmachen:
Waffenrecht – Fakten statt Lügen

 

Nachtrag 09.02.2012:
Einen sehr guten Beitrag zum gleichen Thema findet man im Blog „Freizeichen„.

2 Antworten auf „Spiegel Online: Bürgerbeteiligung bitte ohne Bürger“

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